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DONNERSTAG, 8. OKTOBER 2015
Nazis saßen in Schortens fest im Sattel
GESCHICHTE Vortrag über die NS-Zeit – Mehr als 100 Zuhörer im Bürgerhaus

Friesland
WILHELMSHAVENER ZEITUNG

SEITE 13

Die Zustimmung für
Hitler in Schortens und
Sillenstede war groß. Der
Vortrag zeigte auf, wie
viel aus der Vergangen-
heit verdrängt wurde.
VON HENNING KARASCH
SCHORTENS – Praktisch die gesamte Weimarer Republik hindurch saßen Nationalsozialisten in den damaligen Gemeinden Schortens und Sillenstede fest im Sattel. Dies wurde beim Vortragsabend „Die NS-Zeit in Schortens – Aspekte einer verdrängten Vergangenheit“ deutlich, zu dem im Bürgerhaus Schortens mehr als 100 Gäste zusammenkamen. Historiker und Pädagoge Hartmut Peters vom Zeitgeschichtszentrum Gröschler-Haus Jever und Helmut Wilbers vom Aktionsbündnis „Upjever lieb‘ ich“ hatten eingeladen. Günter Buchold, als ehemaliger Leiter der orthopädischen Werkstatt des Krankenhauses Sanderbusch, erzählte als Zeitzeuge vom „Jewish Displaced Persons (DP) Camp Upjever“. Seine Enkelin Fenja Katharina Buchold hatte sich mit der Geschichte des Camps in einer Facharbeit am Mariengymnasium beschäftigt. Prof. Dr. Antje Sander berichtete

vom Projekt „Erinnerungsorte“ für Opfer des Nationalsozialismus. Das Gebäude 164 auf dem ehemaligen Fliegerhorst Upjever sei als ehemalige DP-Unterkunft prädestiniert als Erinnerungs- und Ausstellungsort. Es liege direkt am Zaun und an der Jeverschen Allee, fügte Helmut Wilbers hinzu. Daher könne es gut zugänglich gemacht werden, sei aber vom Abriss bedroht.
Als „Anreger“ für weitere Forschungen sah sich Hartmut Peters, der zahlreiche Quellen in Bildern präsentierte. Dies sei „Beifang“ seiner Forschungen zum Aufstieg des Nationalsozialismus in Jever. Eine komplette Aufarbeitung von Schortens werde er nicht schaffen. Im Staatsarchiv Oldenburg gebe es aber „Akten ohne Ende“ dazu. Schon ab 1924 seien in Zeitungen Einladungen zu Veranstaltungen der „völkischnationalen Bewegung“ zu lesen. Bei der Reichstagswahl dieses Jahres stimmten in Schortens 27,6 Prozent der Wähler für die NSDAP. Hier war auch die SPD noch recht stark (31,9 Prozent). In Sillenstede hingegen erreichte die NSDAP 1924 41,8 Prozent der Stimmen. Diese Zahl stieg bis Anfang der 1930er Jahre auf fast 70 Prozent. In Sillenstede habe es kaum Mittelstand,

Informierten in einem Vortragsabend im Bürgerhaus Schortens, wie die NS-Zeit in Schortens verdrängt wurde (von links):

Helmut Wilbers, Mareike Spiess-Hohnholtz, Prof. Dr. Antje Sander, Günter Buchold und Hartmut Peters.

FOTO: KARASCH

aber starke Multiplikatoren gegeben, erklärte Hartmut Peters diesen Umstand. Sillenstedes Pastor Carl Woebcken protestierte allerdings, anders als seine Kollegen andernorts, gegen eine Hakenkreuzfahne am Kirchturm. Adolf Hitler wurde zu Auftritten in der Jeverlandhalle „vermarktet wie ein Popstar“, so der Historiker. Rund 300 GestapoSchutzhäftlinge 1933 im Amt Friesland zeigten, dass es Widerstand gab. Daher sei ein Konzentrationslager in Ostfriesland in der Presse diskutiert worden. Hartmut Peters erinnerte an die Einweihung des „Heiligtums“ in Oestringfelde, da das NS-Germanentum „bis zu Adam und Eva“ zurückgeführt wurde. Er zeig-

te Dokumente zum Schicksal des jüdischen Ehepaares Paula und Max Solmitz aus Heidmühle, deren Tochter Käthe in
Als „Anreger“ für weitere
Forschungen sah sich Hartmut Peters. Eine
Aufarbeitung von Schortens werde er
nicht schaffen.
Jever „arisch“ verheiratet war, sowie zum Reichsarbeitsdienst im heutigen Gebäude des Regionalen Umweltzentrums, zum Arbeitslager in der Waldschenke und zur Einwei-

hung des Abfangjägerflugplatzes Upjever. Der Flugplatz war zwischen 1933 und 1936 von 3000 Arbeitern errichtet worden. Schortens bekam dadurch 36 Prozent mehr Einwohner. Hartmut Peters schlug deshalb die Umbenennung der Schumacherstraße in der Fliegerhorstsiedlung vor. Diese sei nach Generalmajor Carl-Alfred Schumacher, „Held der Luftschlacht über der Deutschen Bucht“, benannt. Besser wäre, die Straße nach dem polnischen General Stanislaw Maczek zu benennen, der die Stadt Jever am 6.Mai 1945 mit seinen Soldaten erreichte und befreite.
Das DP-Camp Upjever sei von 1500 Überlebenden des Konzentrationslagers Bergen-

Belsen bewohnt und von der britischen Militärverwaltung streng bewacht worden, sagte Helmut Wilbers. Da sein Elternhaus neben dem Fliegerhorst steht, konnte er sich an regen Tauschhandel erinnern. Für lebende Hühner gab es Tee und Schokolade. Günter Buchold bekam von seinen Patienten dort Konserven und Whiskey, was von den schweigsamen Wachsoldaten genau geprüft worden sei. Für eine Rumpforthese nahm er einen Gipsabdruck bei einem Patienten mit Wirbelsäulentuberkulose. Er sei unsicher gewesen, was ihn „als Landsmann der ehemaligen Peiniger“ erwartete. Mit vielen Patienten habe er sich aber angeregt unterhalten können.

Gospel Projekt präsentiert „Latin Jazz Mass“
JEVER/GRA – Das nächste Konzert des Gospel-Projektes Jever rückt näher. Seit Anfang des Jahres probt der rund 50köpfige Chor dafür. In diesem Jahr steht die „Latin Jazz Mass“ von Martin Völlinger für Chor, Gospelband und Saxofon im Mittelpunkt des Konzertes, das am Sonnabend, 10. Oktober, um 19 Uhr in der jeverschen Stadtkirche stattfindet. Die Gesamtleitung liegt bei Chorleiter Stefan Schauer.
Die Latin Jazz Mass ist ein vielseitiges Werk. Die Kombination der unterschiedlichen Rhythmen und Stile wie Salsa, Samba, Bossa Nova, Rumba, Tango, Gospel bis hin zur PopBallade und Funk macht sie so vielfältig. Begleitet wird der Chor von einer Band mit Musikern aus der Region unter Leitung von Roland Legantke. Er ist Dozent für Gitarre und Bass an der Musikschule Wittmund/Friesland. Als Solistin singt die Sängerin Richetta Manager.
Schlachtmühle: Saisonabschluss
JEVER/MK – Zum Brüllmarkt am kommenden Sonntag ist die Schlachtmühle am Hooksweg in Jever von 14 bis 17 Uhr zum Saisonabschluss noch einmal regulär geöffnet. Dazu gibt es Kaffee und Kuchen von den Mühlennachbarn. Parallel finden Führungen durch die Mühle statt. Kinder können an diversen Kleinmühlen selbst Korn mahlen.

SPD-Stadtverband: Stephan Höpken neuer Vorsitzender
WAHLEN Nachfolger von Frank Kourim – Sozialdemokraten bereiten sich auf Kommunalwahl vor

JEVER/JU – Am Dienstagabend wählte die Delegiertenversammlung des SPD-Stadtverbands Jever im Graftenhaus Stephan Höpken, bisher stellvertretender Vorsitzender im SPD-Ortsverein Jever, zu seinem neuen Vorsitzenden. Er löst Frank Kourim ab, der nicht wieder kandidierte. Der 44-jährige Verwaltungs- und Medienfachmann gehört dem SPD-Ortsverein Jever seit zwei Jahren an. Er stieß vor drei Jahren zu den Genossen. „Ich trat in die SPD ein, um etwas zu bewegen, jetzt habe ich die Möglichkeit dazu“, sagte er nach dem einstimmigen Votum. Für Gertrud Bunjes, die

Der neue Vorstand im SPD-Stadtverband Jever mit Stephan Höpken (v. links), Roswitha de Jong-Epken, Martin Woelk und Dieter Vahlenkamp. Nicht im Bild: Andre Reichert. FOTO: JUNGMANN

gleichfalls nicht mehr antrat, wurde neu Martin Woelk, Beisitzer des Ortsvereins Cleverns-Moorwarfen gewählt. Der 32-jährige Programmierer gehört seit zwei Jahren der SPD an. Für die verstorbene Inge Evers wurde das ehemalige Juso-Mitglied Andre Reichert, Mitglied im Ortsverein Jever, als Schriftführer, gewählt. Der 32-jährige Soldat hatte im Vorfeld seine Bereitschaft dazu bekundet. Für Heimer Willms wählten die Delegierten Roswitha de JongEpken als Beisitzerin neben Dieter Vahlenkamp. Laut Satzung gehören alle Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft

sozialdemokratischer Frauen (AsF) und AG 60plus zusammen mit dem Fraktionsvorsitzenden automatisch als beratende Mitglieder dem Stadtverbandsvorstand an.
„Der neue Stadtverband hat am heutigen Tag den Wahlkampf eingeläutet“, sagte Fraktionsvorsitzender Dieter Janßen. Der Slogan der letzten Kommunalwahlen „Soziale Kraft in Jever“ könne auch weiterhin angewendet werden. Im Übrigen kandidierten alle Fraktionsmitglieder erneut für den Stadtrat. Dazu hätten auch jüngere Mitglieder ihre Bereitschaft zur Mitarbeit signalisiert.

Parkplatznot: Lehrer haben schwer zu tragen
AUSSCHUSS Grundschule Sande beantragt neue Parkplätze – Verwaltung soll prüfen

SANDE/MK – Die Lehrer an der Grundschule Sande haben schwer zu tragen. So argumentierte jetzt Rektorin Susanne von Senden in einem Schreiben an die Gemeindeverwaltung in Sande, das am Dienstag dem Schulausschuss vorgelegt wurde. Aus diesem Grunde, so die Schulleiterin, benötigten die Lehrkräfte „zwingend“ weitere Parkplätze in unmittelbarer Umgebung der Schule, die durch Umgestaltung des Schulvorplatzes eingerichtet werden könnten.
Für den Vorschlag, den Vorplatz um weitere Stellplätze zu erweitern, konnte sich die Politik nicht begeistern.

Schon jetzt, so der Tenor, Gehör geschenkt. Susanne

stünden zu viele Autos vor der von Senden schreibt, dass die

Schule, was der Sicherheit der Lehrkräfte für ihre Arbeit

Kinder nicht zuträglich sei. wechselndes Material benöti-

Hinzu kommt, dass im Um- gen würden, „das sie zwi-

feld von einigen

schen Schule

hundert Metern eigentlich kein Parkplatzman-

Der Weg zum Marktplatz sei den

und Zuhause hin- und hertransportieren

gel herrscht. Neben dem großen Parkplatz neben

Lehrern nicht zuzumuten.

müssen“. Dazu zählten Schülerhefte, Unter-

der Schule gibt

richtsmaterial

es Haltebuchten entlang der und anderes. Lehrkräfte, die

Straße Am Markt, ein nahes an die Schule abgeordnet

Wohngebiet und den Markt- sind, hätten zudem ein sehr

platz. In Großstädten herr- enges Zeitfenster, in dem sie

schen ganz andere Parkplatz- an die Schule wechseln müs-

situationen.

sen. „Es ist ihnen nicht zu-

Der Argumentation der mutbar, ihr Fahrzeug wegen

Schulleiterin wurde trotzdem Parkplatzmangels vor der

Schule zum Beispiel auf dem Marktplatz abzustellen und das schwere Material täglich von dort zur Schule und zurück zu tragen.“
Die Politik will die Verwaltung nun prüfen lassen, ob der große Parkplatz neben der Schule nicht künftig nur für Lehrkräfte freigegeben werden kann. Bislang gilt dieser als öffentlicher Parkplatz.
Ein weiteres Thema im Ausschuss war die Zahl der Lehrervertreter. Bislang gibt es zwei. Da die Grundschule Cäciliengroden fürchtet, mit ihren Interessen zu kurz zu kommen, wird eine Erweiterung auf drei Vertreter geprüft.

Partnerschaft gestern und heute
JEVER/GRA – Anlässlich des Jubiläums 25 Jahre Städtepartnerschaft von Jever und Zerbst findet am Sonnabend, 10. Oktober, ab 19 Uhr, im Schloss Jever eine Podiumsdiskussion über die Städtepartnerschaft „gestern und heute“ statt. Unter der Moderation von Helmut Burlager diskutieren Helmut Behrendt und Andreas Dittmann, der frühere bzw. der amtierende Bürgermeister von Zerbst, ferner Amtsleiterin Antje Rohm und Edwin Sperling sowie aus Jever der ehemalige Bürgermeister Siegfried Harms und der damalige Stadtdirektor Ingo Hashagen sowie Ute Janßen von den Grünen und Manfred Sabrautzky vom Skatclub Schlossturm Jever.

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